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Bericht aus dem Südkurier vom 19.02.2004.

Eigentlich sehen sie wild aus. Ziemlich wild sogar: Dunkle Ledermäntel, Sonnenbrillen, farbige Streifen im Gesicht und seltsame Hüte auf dem Kopf. Nicht sehr Vertrauen erweckend - und trotzdem kommt keine Fasnetsveranstaltung mehr ohne sie aus: Lumpenkapellen sind in der Fasnet schwer angesagt. "Wir machen eben einfach Stimmung", erklärt Stefan Schädle von den Froschties mit Stolz in der Stimme. Inzwischen gibt es eine beachtliche Anzahl von Lumpenkapellen in und um Friedrichshafen. Die Ältesten: Die Brickles Bräss-Bänd aus Ailingen, die Lumpenkapellen aus Taldorf und Meckenbeuren. Mindestens aber genauso gut: Die Schnetzenhausener Froschties und die Lumpenkapelle aus Kluftern. 

Entstanden sind die meisten auf die selbe Weise: "Wir haben einfach mal ein paar Freunde zusammengetrommelt, um gemeinsam eine Lumpenkapelle zu gründen," erzählt Stefan Schädle von den Froschties. "Dass aber schon beim ersten Treffen so viele gekommen sind, hätten wir auch nicht gedacht. Wir waren über fünfzig Leute." Die Kluftener Lumpenkapelle ging direkt aus dem Musikverein hervor: "Wir wollten einfach öfter in der Fasnet spielen und haben uns deshalb als Lumpenkapelle zusammengetan," erklärt Berthold Wurst. Die große Ausnahme unter den Lumpenkapellen: Die Taldorfer. Holger Genschow: "Gegründet wurden wir laut Überlieferung schon 1903, die ersten Bilder gibt es aus dem Jahr 1934." Bei so viel Tradition ist es kein Wunder, dass die Taldorfer als Lumpenkapelle gleich zum Vorbild wurden: "Wir wollten am Anfang immer so gut sein wie die Taldorfer," grinst Uli Meschenmoser von der Brickles Bräss-Bänd. 

Bei den Froschties kam vor dem Vorbild erst mal die fieberhafte Suche nach einem passenden Namen: "Wir haben uns überlegt, was wir gemeinsam haben." Stefan Schädle von den Froschties grinst. "Und damals haben wir eben alle gern Kelloggs Frühstücksflocken gegessen." Sein Grinsen wird noch breiter. "Seither ist uns der Name Froschties geblieben." 

Die Lumpenkapellen aus Kluftern und Meckenbeuren blieben von Anfang an bei ihrem eher praktischen Namen. "Dann weiß wenigstens jeder, woher wir kommen", meint Johannes Hotz sehr pragmatisch. Angefangen haben sie vor 15 Jahren mit genau zehn Leuten. "Und dann sind wir jedes Jahr ein paar mehr geworden. Inzwischen haben wir rund 40 Mitglieder. Am Anfang haben wir nur in Meckenbeuren gespielt, vor allem im Feuerwehrhaus." Später kamen dann größere Auftritte dazu. "Vor allem der Umzug in Feldkirch ist eine klasse Sache: Wir haben letztes Jahr zum ersten Mal dort mitgespielt und sind von der Jury gleich zur besten Lumpenkapelle gekürt worden." Er grinst und man kann man seine Zufriedenheit deutlich hören. Aber wie finanzieren sich die Lumpenkapellen eigentlich? "Wir organisieren jedes Jahr im August unser Krötenfest", so Stefan Schädle, "und mit dem Erlös zahlen wir Bus- oder Autofahrten in der Fasnet." Die Meckenbeurer machen es genauso: "Wir nehmen das Geld hauptsächlich beim "Luaderfest" im September ein. Für Auftritte in der Fasnet würden wir kein Geld nehmen." Da sind sich alle Lumpenkapellen einig: "Hauptsache wir haben unseren Spaß beim Spielen, Geld wollen wir dafür nicht."

Damit der Spaß bei fast 30 Auftritten in der Fasnet nicht auf der Strecke bleibt, müssen in der Band die Aufgaben gut verteilt werden: "Die Arbeit beginnt ja nicht erst zum Fasnetsbeginn. Wir fangen im November mit den Proben an, müssen Stücke umschreiben und Termine ausmachen," erklärt Stefan Schädle. "Aber gemeinsam klappt das richtig gut."

Das einzige, was bei jeder Lumpenkapelle im Kreis gleich ist: Die Aufnahme. Wer als neues Mitglied aufgenommen wird, muss erst mal beweisen, dass er es wert ist: "Wir haben da ganz verschiedene Taufen auf Lager", gibt auch Brickles-Chef Uli Meschenmoser zu. Mal muss man seine Trinkfestigkeit unter Beweis stellen, mal ganz alleine vorspielen. Was genau man bei der Taufe allerdings machen musss, will keiner verraten. Sicher ist: Bei den Meckenbeurern und Taldorfern wird es wohl ein bisschen härter zugehen - da sind die Männer nämlich unter sich. "Wir nehmen traditionell keine Frauen auf", sagt Berthold Wurst.

Die Froschties dagegen haben damit kein Problem: In ihren Ledermänteln stecken sowohl Männer als auch Frauen. Den plattgefahrenen Frosch auf dem Rücken ziehen sie beim Umzug durch die Straßen. Und wenn man sie so sieht, kann man es sich nicht verkneifen: Gut, dass sie damals nicht lieber Marmeladebrötchen zum Frühstück gegessen haben. 

Kathrin Streckenbach

© LK Froschties
Stand: Februar 2004

 

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