|
|

Bericht aus de
Schwäbischen Zeitung vom 21.02.2004.

"s'isch so richtig luschtig"
Wenn die "Musi" spielt, geht's Felix Amann am besten. Der 18-jährige Schüler aus Bitzenhofen spielt seit vergangenem Jahr in der Lumpenkapelle "Froschties" und hat in Sachen Party momentan Hochkonjunktur.
Das letzte Wochenende war hart - aber höchstwahrscheinlich nichts im Vergleich zur noch ausstehenden Hauptfasnet. Am Freitag ging's zu einem Auftritt in die Diskothek Zirkuss, am Samstag stand der Umzug in Fischbach auf dem Plan. Ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben eines "Fasnetsmusikers":
In voller Verkleidung sitzt Felix bei seinem Bruder im Auto. Beide sind auf dem Weg nach Schnetzenhausen, bevor es weitergehen soll ins Zirkuss. Felix hat seine Kappe mit dem kleinen grünen Frosch auf dem Kopf und seine Fasnetstrompete in der Hand. Sie hat schon etwas gelitten, hat einige Dellen und riecht ein bisschen nach angetrocknetem Bier. Eine Halbzeitbesprechung gibt's vor dem großen Auftritt am Freitagabend. Was ist bisher gelaufen, was kommt noch und wie ist allgemein die Stimmung in der Kapelle? Ein bisschen Organisation muss schließlich sein. Dann weiter - endlich Richtung Disco. Inzwischen sitzen schon vier Musiker im kleinen grünen Auto. Die Stimmung ist schon ganz ausgelassen, schließlich steht ein erlebnisreicher Abend bevor. Doch auch im Auto gibt's noch was zu organisieren: Eine der Mitfahrerinnen ist erst seit diesem Jahr dabei und ist den anderen ihren Einstand noch schuldig geblieben. Zwei Kisten Bier sollen's sein.
Dann vor'm ZK. Kurzes Warten vor der Tür, bis sie reingelassen werden. Einmarsch. Im Gegensatz zur Dancemusik, die hier sonst aus den Boxen trällert, wirken die Froschties als krasser Gegensatz. Doch sie kommen an. "Wir spielen heut' unser ganzes Programm", erzählt Felix noch vor dem Auftritt.
Bald drängen sich die Partygäste vor der Bühne, tanzen, grölen, feiern. Die Stimmung heizt sich immer weiter auf, bis die Musiker nach einer halben Stunde durch sind mit ihrem Programm. "Der Auftritt hat gut geklappt", freut sich Felix. Danach gibt's für jeden ein Getränk frei, der Alkohol fängt langsam an zu fließen. Und die Froschties genießen. Gegen halb drei erst löst sich der feste Kern auf und es geht heimwärts. Felix wieder im kleinen grünen Auto, wieder mit seinem Bruder.
Der nächste Tag an diesem verrückten Fasnetswochenende: Umzug in Fischbach. Treffen um halb zwei nachmittags, schon umgezogen, ausgeschlafen (?) und in bester Laune. Wirklich bester Laune. Eine halbe Stunde warten die Froschties auf dem Aufstellungsplatz, bis es los geht. Derweil singen sie schon irgendwelche improvisierten Lieder und machen Stimmung. "'s isch so richtig luschtig", freut sich Felix. Dann der Umzug. 20 Minuten, in denen sich die Musiker voll aufs Spielen konzentrieren. Nur hin und wieder kommt der Marsch mal ins stocken und die Froschties haben Gelegenheit, selbst mit den Zuschauern rumzualbern. Schließlich Narrenbaumsetzen. Das Setzen selbst klappt nicht so toll, dafür aber die drei Lieder, die die Froschties hier noch spielen. Ihre Fans können mal wieder auf sie zählen - und sie auf ihre Fans. Doch dann löst sich der Verein recht zügig auf: Denn am Abend geht's weiter mit dem Zunftball Jettenhausen.
Nach dem Umzug hat Felix endlich kurz Zeit, sich ein wenig Gedanken über seine Begeisterung für die Fasnet zu machen: "Eigentlich geht's mit gar nicht um die Fasnet an sich, es geht mir nur um meine Froschties", erklärt er. "Das ist einfach eine besondere Art von Musik, das gibt's unter'm Jahr nicht. Und außerdem kommt man kostenlos auf alle Bälle. Das hat doch was."
Übrigens: Die Froschties suchen dieses Jahr einen Superpraktikanten. Aufgabenfelder: Getränkeversorgung bei Auftritten und Heimfahrservice nach Partys. Vorteile: Die Froschties entwerfen ein spezielles Praktikantenkostüm, das bei allen Auftritten zu tragen ist. Na wenn das nix ist?!
Ralf Liptau
©
LK
Froschties
Stand: Februar 2004
|